Warum lebst du vegan?

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Diese Frage ist eine auf die ich bereits in meinem alten Blog eingegangen bin, aber ich möchte dies gerne auch hier für alle lesbar veräusserlichen.

Wie kann es sein das eine Bünderfleisch-liebende, Käse-süchtige, Rühreier-for-every-Breakfast-verzehrende Frau plötzlich von all dem abwendet und stattdessen lieber grüne Smoothies und ganz viel self-made Sachen zu sich nimmt?

Tja in der kurzen aber doch etwas längeren Fassung ging das ungefähr so. Zuerst wurde meine liebste Freundin Stephania Veganerin, und anfangs musste ich schon ein bisschen über diesen noblen Idealismus schmunzeln. Ich meine, wer macht das freiwillig Käse und co. aus dem Speiseplan streichen? Ich und mein Mann lachten anfangs über sie, es war mehr ein Schmunzeln im Sinne von Mann, die hat ja keine Ahnung wie Chorizzo schmeckt und wie geil man Filet mignon mit Feigen und Frischkäse kombinieren kann. Wir fühlten uns kulinarisch eindeutig überlegen.

Dann lernte ich eine weitere Freundin kennen die ihre zwei Kinder vegan ernährte. Diese Kids tranken Früchte-Gemüse-Smoothies wie die Grossen, assen ihr Gemüse en masse und dazu gab es Guacamole, Salat und gesunde Vollkornpasta. Wow! Ich war beindruckt, wir liessen Milchprodukte wie Kuhmilch und Joghurt für Estella sowieso weg, da sie darauf allergisch reagierte. Und ich zog auch mit mit diesem gesunden Food. Es inspirierte mich.

Danach wanderten wir aus an einen Ort der ultra viele Optionen hatte von Kokos-Sojamilch über Reis-Mandelmilch bis hin zu veganen Joghurts jeglicher Art. Wir haben uns da einfach einmal durchs Sortiment probiert, bestellten aber weiterhin noch Chicken Rendang Curry und co. beim Chinesen.

Danach ging es zurück in die Schweiz. Meine Schwiegermutter hatte damals ihre Familie auf dem Bauernhof besucht und kehrte mit unguten Gefühlen zurück. Sie hatte hautnah die Geburt eines Kälbchens miterlebt (was ja an sich eine schöne Sache ist) – das Kälbchen wurde aber von der Kuhmama sofort getrennt. Was ganz konkret heisst: Kein Bonding, kein Ablecken, kein Kuscheln, einfach weg. Ab in die Kälberbox.  Und die Mama ab an die Melkmaschine. Die Mama rief danach stundenlang nach ihrem Kind. Kein Wunder, hätte ich genau so gemacht. Und als sie mir dies erzählte und sagte dass sie mit ihren Verwandten sprach und diese sie darauf aufmerksam machten, dass dies der normale Ablauf sei. Auch jetzt über ein Jahr später kriege ich noch Tränen in den Augen während ich das hier niederschreibe.

Ja, Motherhood hat mich sehr sehr weich gemacht. Ich war früher viel kontrollierter, härter und „tough“. Wenn mich da jemand damit konfrontiert hätte, das jemand für mein Food stirbt, hätte ich gelacht und gesagt ist eben so 😉

Heute bin ich anders. Ich habe Muttergefühle und allein der Gedanken nach einer Geburt, was ein sehr emotionales Ereignis ist, ohne Kind zu sein, tut mir sehr weh. Getoppt wird das Ganze von Stillen für Fremde. Ich meine ganz ehrlich, ich habe meine Tochter über 2 Jahre gestillt, das war anfangs doch ein bisschen schmerzhaft und musste sich finden. Für sie durch diese Schmerzen zu gehen, ist für mich das Natürlichste und Normalste. Für andere Leute meine Brüste hinzugeben um Milch zu produzieren, wie das diese Kuh machen muss, ist für mich jenseits von Gut und Böse. Ich konnte so gut fühlen wie viel Leid dieses Lebewesen wohl ertragen musste.

An diesem Tag habe ich beschlossen fortan vegan zu leben. Meine Schwiegermutter hat im selben Moment mitgemacht. Mein Mann kam ein paar Wochen später dazu. Dann kam alles natürlich. Ich fand den Attilla Hildmann und seine Rezepte, ich informierte mich, suchte mehr, ekelte mich, schämte mich, durchschaute das ganze Konstrukt langsam, lernte mehr Veganerinnen kennen, meldete mich bei der veganen Gesellschaft Schweiz, traf inspirierende Menschen, die von ihrer veganen Küche leben, die Bücher schreiben, die Kinder so gesund aufziehen.

Ich las mich ein und fand heraus, dass die Geschichten vom Fleisch essen macht gesund und Milch gibt ultra starke Knochen eng verwurzelt mit denen des Samichlaus und des Osterhasen sind. Ich fand heraus das Ärzte (meistens) gar keine Ausbildung haben im Bereich Ernährung, denn das ist ein separates Fach, welches an der Universität freiwillig besucht werden kann. Ich merkte wie ich mich immer besser fühlte, wie ich plötzlich keine Eiseninfusionen mehr machen lassen musste, obwohl man da immer gehört bekommen hat, bitte ganz viel rotes Fleisch essen.

Ich fand Ärzte, die den veganen Ernährungsstil positiv kritisch unterstützen und auf Wichtiges hinwiesen. Ich las Geschichten von Antibiotikum in Milch, die mich schauderten. Ich hörte von weiteren Kindern, die vegan aufwachsen und so viel Gemüse und Früchte essen, da konnte ich nicht mal in einer Woche mithalten (vor meinem veganen Leben). Denn ab und zu ass ich meine Alibisalat und dazu etwas Peperoni und dachte das sei voll gesund und ausreichend.

Über ein Jahr später bin ich hier und kann sagen, ich esse gesünder als jemals zuvor. Ich esse täglich mehrmals Gemüse und Früchte und Protein und Eiweiss. Und ich fühle mich auch besser als jemals vorher. Und ich spüre ganz klar dass ich mit Leid nichts zu tun haben möchte.

Ich möchte möglichst jedes Lebewesen so behandeln wie ich gerne behandelt werden möchte. Ich sehe auch keinen Sinn das jemand sterben soll, damit ich ein Plätzli im Teller habe. Du nö du, dann mach ich lieber panierte Zucchettiplätzli oder sonst was Leckeres. Ich möchte weder Blut an meinen Kleidern kleben haben, noch in meinem Teller. Generell widme ich mein Leben lieber Frieden, Liebe und Akzeptanz. 

Sounds extreme? Ja, ich dachte ich früher auch. Mein Gott sind die Veganer extrem. Voll übertrieben. Und die Fälle in denen Kühe so gehalten werden oder Schweine geschlagen werden und nur dahin verrotten, das müssen Einzelfälle sein. Oder mehr noch, ich dachte dass die Veganer das noch inszenieren 😀 Ich glaubte so sehr an das Märchen von der wunderbaren Tierhaltung.

Und was soll das jetzt? Ich möchte dich und dein Leben sowie deine Ernährungsweise auf keinen Fall beleidigen oder sonst wie diffamieren. Ich weiss selbst wie es ist in Strukturen gefangen zu sein. Ich habe aber trotzdem einen konkreten Vorschlag für dich: Es ist so, wenn du willst und auch denkst, dass du mal ready für eine Cha(lle)nge bist, dann schau doch mal ob du vielleicht Bock hast 3 Tage oder 7 Tage oder auch nur eine Mahlzeit pro Tag vegan zu leben? Und ja ich meine vegan und nicht ich-esse-ganz-selten-Fleisch-und-wenn-dann-nur-Bio. Einfach mal voll vegan für eine Zeit.

Niemand sagt du dürfest nie wieder deine Lieblingsrühreier oder dein Lieblingssteak essen. Ich meine mehr, schau doch mal, woher das kommt, informiere dich über deine Essgewohnheiten; zum Beispiel werden alle männlichen Bibeli einfach vergast oder geschräddert, weil man sie nicht brauchen kann. Wusstest du wahrscheinlich nicht gell? Ist auch nicht gerade die schönste News aller Zeiten. Wie wäre es einfach mal mit einer kleinen Auszeit und mal was Neues testen? Einfach so? Passiert ja nüd. Im Gegenteil, vielleicht gefällt’s dir ja gut. Vielleicht machst du mit deinem Partner oder deiner besten Freundin eine Challenge – Nur vegan kochen – eine Woche. Gerade erst hat eine Freundin das gemacht und sagt es geht ihr so so gut!

Schliesslich finde ich wichtig, dass man offen ist, auch Dingen gegenüber die man noch nicht kennt. Und ja es gibt komische vegane Vögel, die gibt es aber auch als Fleischesser. 🙂 Ich mein mehr, wenn du gerne Neues ausprobierst, ist dies vielleicht dein Moment. Vielleicht möchtest du Bücher zum Thema lesen? Da kann ich dir Peace Food von Rüdiger Dahlke empfehlen. Für die leckersten Rezepte kann ich dir den Attilla Hildmann empfehlen, für etwas einfachere Küche empfiehlt sich hello vegan oder auch hier yummie. Suchst du noch mehr Food Inspiration geb ich dir hier mein Lieblingsbuch und meine beiden Lieblingsfoodblogs an, einmal die reizende Fanny von fannythefoodie und einmal die coole Emily von this rawsome vegan life

Wenn du eher so der radikale Hardcoretyp bist wie ich, kann ich dir die brutalste und ehrlichste Dokumentation aller Zeiten, genannt Earthlings empfehlen. Wenn du bis zum Schluss durch hältst, gratuliere ich dir!

Auf jeden Fall bin ich dankbar für jeden Menschen, der sich durch diesen Text irgendwie positiv berührt fühlt und vielleicht den veganstart macht. Oder auch einfach mal nur drüber nachdenkt wie er sein Leben leben will. Oder wie gerne er Tiere hat.

Denn es gibt keinen Unterschied zwischen einem Schwein und einem Pferd. Zwischen einer Katze und einem Frosch. Zwischen einem Kälbchen und einem Hund. Alle sind Lebewesen und Lebewesen wollen leben. 

Wer noch immer denkt, warum vegan? Kann sich hier informieren. Denn wie immer möchte ich darauf hinweisen, dass jeder unbedingt seinen eigenen Lifestyle pflegen soll, das Wichtigste finde ich das man sich informiert. Das man weiss woher die Produkte kommen, wer alles in diese Kette involviert ist und was denn genau passiert wenn Hühnern die Eier weg genommen werden oder weshalb Kühe Milch geben (müssen) oder warum denn Käse eigentlich süchtig macht.

Wer die Wahrheit kennt und sie dann Leben will so okay! Ob in Form von selber Hühner halten und und dann ein paar Eier von denen essen, oder beim Nachbars-Bauer lokal kaufen, oder nur noch ein Mal pro Woche Fleisch auf den Tisch. Wichtig finde ich es auch über gesundheitliche Infos zu verfügen. Danach kann jeder entscheiden was sich gut anfühlt. Wenn du Fragen hast, dann schreib mir einfach, ich helfe so gerne und wo ich kann! Email an deborah@shkodra.ch

Für mich ist es mittlerweile einen Lifestyle, eine Entscheidung aus dem Herz heraus. Für mich, für die Tiere, für die Welt.

so much love, D.

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2 comments

  1. Toll geschrieben! Man kann ja auch mittags anstelle von der fleischkantine fein ins hiltl, tibits oder sonst vegane restis – mal ausprobieren! 🙂

    Ging mir übrigens auch so mit der eiseninfusion. Vor vegan 2,3 mal im monat- als veganerin habe ich jetzt top werte!!

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