Das Schattenprinzip und wie es funktioniert

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Schattenprinzip? Auch schon gehört? Es gibt wenig (abgesehen vom Universum und der Liebe) das mich so sehr fasziniert wie das Schattenprinzip.

Gemäss Carl Gustav Jung ist der Schatten das gesamte Unbewusste in uns. Er symbolisiert alles was wir lieber nicht wären, aber doch zu uns gehört. Der Schatten ist die Kehrseite unserer Persona. Wir haben sehr verschiedene Gefühle zu unserem Schatten, zum einen fasziniert er uns und gleichzeitig ist er für uns die dunkle Seite, also sehr sehr abstossend. Unsere Schattenanteile werden von uns nicht wahrgenommen, dafür sehen wir diese umso besser bei anderen.

Weitere Infos findet man zum Beispiel in Ruediger Dahlkes wunderbarem Buch Das Schattenprinzip, welches ich sehr empfehle. Dort beschreibt er einen sehr einfachen aber doch sehr effizienten Weg vom Schatten ins Licht / ins Reine mit sich selbst.

Auch dieses Beispiel eines Schattens – von Coach Andreas Gauger, (via mymonk) finde ich sehr spannend.

Ein kleiner Junge erlebt in seiner Kindheit und Jugend permanent, wie sein Vater lautstark über „Verlierer“ herzieht und alles vehement ablehnt, was er mit diesem Thema assoziiert. Als Erwachsener macht dieser kleine Junge Karriere, arbeitet wie ein Besessener, bringt es zu etwas. Ruhm, Karriere, Geld. Was er dabei aus dem Blick verliert, ist seine Familie, seine Gesundheit, seine Erfüllung. Indem er den Verlierer in sich bekämpft, erzielt er seine scheinbaren Erfolge in der äußeren Welt. Doch zu welchem Preis?

Abgesehen von den hohen Folgekosten bei Gesundheit und Familie, etc. ist er nie wirklich frei, denn er muss sich immer von etwas wegbewegen. Doch jeder Teil unseres Schattens hält ein großes Geschenk für uns bereit. Wenn es unserem Protagonisten gelingt, den Verlierer in sich anzunehmen und zu integrieren, kann er wieder ein selbstbestimmtes Leben führen. Möglicherweise wird er seinen Lebensstil beibehalten und genauso weiterarbeiten wie vorher. Doch dann tut er es aus freien Stücken und nicht, weil er zwanghaft den Verlierer-Aspekt in sich selbst bekämpfen muss.

Beispiel aus unserem Leben

Ein kleines Beispiel des Schattenprinzips habe ich erst gerade erlebt als meine beste Freundin sich nach Bali verabschiedet hat. Es war alles ein bisschen stressig und mir blieb kaum Zeit um dieser wundervollen Seele wirklich tschüss zu sagen und sie von Herzen zu umarmen und gehen zu lassen.

Als sie dann dort war, habe ich den Kontakt zu ihr gesucht, vermehrt, weil ich irgendwie einfach noch nicht richtig loslassen konnte. Ich wollte sie irgendwie noch nicht gehen lassen. Ich wollte sie noch etwas bei mir behalten. Ich war traurig dass sie weg war, ganz klar. Aber ich war auch so glücklich für sie und wollte ein bisschen mitverfolgen was so los ist bei ihr. Ich hatte den Moment eines liebevollen Abschieds nicht bemerkt. Für mich kam er einfach nicht deshalb fühlte ich mich noch attached.

Für sie war die Situation natürlich ganz anders. Der Stress bis sie (endlich) aus dem Land ist. Dann all die neuen Eindrücke, Menschen, Gerüche, Momente. Ihr Traum war plötzlich Realität. Das kann einen auch mal ein bisschen überfordern. Zusätzlich hat sie Bali wirklich mit ganz viel Liebe und offenen Armen empfangen. Die Männer lagen sofort zu Füssen. Besonders einer hatte es ihr angetan und umgekehrt. Dann lernt man sich kennen, beschnuppert sich, mag sich. Selbstverständlich hat man da wenig Zeit für eine beste Freundin am anderen Ende der Welt. Meine Annäherungsversuche halfen auch nicht. Sie hat sich sogar eingeengt gefühlt dadurch. Sie hat sich dann mir gegenüber total verschlossen eine Woche lang.

Ich war zu viel für sie. Meine Forderungen an Aufmerksamkeit und Liebe waren ihr unangenehm, viel zu viel. Sie hatte andere Pläne. Sie wollte Bali geniessen und sich nicht noch festbinden an eine zwar liebe Freundin, die jedoch an einem anderen Ort war. Sie wollte ihr neues Leben leben. Nur logisch. Ich als Erwachsene verstehe das total gut.

Mein inneres Kind hat jedoch aufgeschrien, geheult und gemacht was es konnte um sie irgendwie zu fassen zu kriegen. Ich wollte nicht loslassen. Ich brauchte Aufmerksamkeit! Ich hab sie doch so gerne und sie ist sooo sooo wunderbar. Ist sie wirklich 😉 !

Ich habe meine Gefühle alle erkannt, entsprechend kommuniziert und wir haben dies wieder ins Reine gebracht. Für sie ist das auch ein entsprechendes Trauma wenn jemand kommt der sie einengt bis zum Geht-nicht-mehr und sie dazu „zwingt“ sie zu lieben. Schliesslich fühlt sich das ja gar nicht nach Liebe an.

Nach ein paar Tagen erzählt sie mir dann, dass es mit dem Mann, den sie kennengelernt hat, vorbei ist. Sie hat sich für ihn geöffnet aber er konnte nicht. Ihm ging es genau gleich mit ihr, wie es ihr damals mit mir ging. Es war ihm zu viel. Er hat sich verschlossen. Na, seht ihr den Zusammenhang auch? 🙂

Zufall? I don’t think so! Ich erlebe immer wieder Aktion & Reaktion. Jeden Tag. Lächeln und wieder ein Lächeln. Auf ein Dankeschön folgt ein Gern-geschehen. Auf deine Energie folgt die genau gleiche.

Your vibe attracts your tribe

Was ist denn jetzt genau passiert?

Durch den Schatten, den ich ihn ihr hervorgekitzelt habe, musste sie sich mit Gefühlen wie Liebe, Nähe, Distanz, Platz, Angst auseinander setzen. Dies hat bei ihr die FLUCHT NACH VORN hervorgerufen. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie es noch nicht und hat sich entsprechend verschlossen. Danach lernt sie jemanden kennen und wünscht sich eine tiefe Verbindung. Und was war als sie von jemandem Nähe und Liebe einforderte? DIES HAT BEI DER ANDEREN PERSON DIE FLUCHT NACH VORN bewirkt. (Also die exakt selbe Reaktion). Und natürlich hat dies sie entsprechend verletzt. Wie auch ihre Ablehnung mich verletzt hat.

Was soll das und wie kann man das auflösen?

Ich glaube man kann sich mit seinem Schatten auseinander setzen und das der Weg durch den Schatten, der einzige ist der zum Licht führt. Durch die Auseinandersetzung mit seinen Schatten-themen, kann in diesem Beispiel meine Freundin ihre Beziehungsangst heilen. In dem sie ihre Angst anerkennt, objektiv betrachtet und einfach mal akzeptiert – ohne zu bewerten.

In dem sie sich einfach ehrlich eingesteht, dass sie (unbewusst) Angst vor Beziehungen und Nähe hat, tut sie schon einen grossen Schritt in die heilende Richtung. In dem sie sich erlaubt diese Angst zu haben, tut sie sich auch einen grossen Gefallen. Und in dem sie sich selber vergibt solche Ursachen zu setzen weiter. Auch interessant ist ein Arbeiten mit sich selber in dem man sich selber so viel Liebe und Nähe gibt wie man braucht. Das man die Nähe zu sich selbst zulässt. Was wichtig ist ist auch, dass man sich vor Augen hält was die Wunschsituation ist – in diesem Fall eine glückliche Beziehung mit viel Nähe und Wachstum. Denn wenn du weisst was du gerne haben möchtest, dann weisst du wie du gerne werden möchtest. Das Gesetz der Anziehungskraft funktioniert! Möchte ich zum Beispiel einen wundervollen liebevollen und verständnisvollen Partner, dann ist das Beste sich selber ein wundervoller, liebevoller und verständnisvoller Partner zu sein. Alles andere wird folgen.

Auch kann sie für sich selbst positive Beziehungsaffirmationen bauen und in den Alltag integrieren. Ich würde es auch interessant finden zurück zu schauen und rauszufühlen woher diese Angst kommt. Waren es die eigenen Eltern, die eine komische oder unangenehme Beziehung führten? War ihre allererste Beziehung geprägt von zu viel Nähe? Oder war es ihre letzte Beziehung? Irgendwo werden wohl Dinge vorgefallen sein, die sie noch nicht entsprechend verarbeiten konnte und deshalb zu einem Verschliessen/einer Blockade geführt haben.

Sie kann sich auch an ein Coach wenden um gemeinsam ihren Schatten zu entdecken und so aufzulösen. Ich empfehle dies immer, wenn man das Gefühl hat, das es für einen alleine zu viel wird. Hilfe holen ist nicht schwach, im Gegenteil es zeugt von Stärke und das man seine eigenen Grenzen kennt und respektiert.

Hier noch Infos von Esther Guggisberg – Coach

Bearbeiten von Schattenaspekten

In der eigentlichen Befreiungsarbeit von unbewussten Mustern und verdrängten Emotionen braucht es vor allen Dingen eins: Sicherheit. Unsicherheit im Körper-Psyche-System brachte dieses dazu, einen Aspekt zu verdrängen. Also kann die Aufarbeitung nur in einem Zustand von Sicherheit geschehen.
Zusätzlich brauchen wir eine hohe Aufmerksamkeit, um Veränderungen und Nuancen in der Bearbeitung wahrzunehmen.
Beides, Sicherheit und Aufmerksamkeit, können geschulte und geübte Fachpersonen wie kompetente Therapeuten und Emotion Coachs bieten. In einem professionellen Rahmen steht der Prozess im Vordergrund. Wertfrei und ohne Urteil werden die verschiedenen Schichten bearbeitet, die Glaubenssätze freigelegt, die Emotionen durchlebt und verarbeitet. Wer nur auf rationale Erklärungen aus ist und meint, sich ohne Fühlen aus der Affäre ziehen zu können, wird bei der Emotionsverarbeitung an Grenzen stossen.

Warum wir etwas wie etikettiert oder abgespeichert haben, entzieht sich in vielen Fällen dem rationalen Denken. Deshalb können wir es damit auch nicht lösen. Es ist wichtig zu akzeptieren, dass es damals für die (Kinder-)Psyche Sinn gemacht hat. Bei komplexen Themen und Mustern kann die Aufarbeitung einem Puzzlespiel gleichen. Diese Arbeit kann sehr anstrengend sein, wonach sich aber ein Gefühl von erschöpfter Erleichterung einstellt. Mehrere Sitzungen werden beansprucht; Übungen im Alltag zur Achtsamkeitsförderung benötigt. Es erfordert Mut, sich seinen unterdrückten Aspekten zu stellen. Wir brauchen Disziplin, nicht wieder in Verdrängungsmechanismen abzudriften. Und wir müssen lernen, für uns und unsere Gefühle die Verantwortung zu übernehmen.

Blockadenlösung kann Schritt für Schritt gehen. Es kann sein, dass wir einzelne Themen bearbeiten, was uns dann befreiter weiterleben lassen. Bei einigen jedoch kann Schattenarbeit eine wahre Katharsis auslösen. Wer sich mit Schattenarbeit beschäftigt, weiss, dass es einen reinigenden Heilungsprozess geben kann, nachdem nichts mehr ist wie zuvor. Je mehr wir unterdrückt und uns von uns selbst entfernt haben, umso stärker und intensiver kann diese Reinigung erfolgen. Dieser Prozess wird auch die Dunkle Nacht der Seele (the dark night of the soul) genannt. Konstruierte Persönlichkeitsanteile, die uns in die Irre geführt haben, sterben ab. Wir verlieren die Orientierung, können uns nicht mehr am alten Glaubenssystem festhalten; Menschen um uns herum wenden sich ab. Nichts scheint mehr, wie es ist. In dieser Zeit ist professionelle Hilfe entscheidend, so dass wir nicht erneut fragmentieren. Wer durch so einen Prozess hindurchgegangen ist, wird von einer tiefen inneren Stärke getragen. Selbstliebe und Selbstvertrauen sind authentisch und verinnerlicht.

Ich werde im neuen Jahr 2016 ein Coaching bei Esther Guggisberg machen und werde danach sicher hier darüber berichten.

Wie sieht dein Schatten aus? Kennst du ihn? Viel Spass beim Rausspüren und Heilen.

so much love, D.

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